zondag 11 maart 2012

Prachtig

 Es herrscht Nacht. Wolken rasen in scharfer Beleuchtung am Vollmond vorbei, ihre Schatten jagen über die wiese wie feindliche Reiter. Nachtvögel schreien, wenn es nicht ächzende Bäume sind, die der Sturm hin- und herwirft. Von irgendwoher durchwirkt etwas Namenloses die Büsche jenseits der Hütte.

 Norishige kniet im Innern beim Schein des Feuers und schreibt:
 Im kahlen Astwerk
 trotzt frisches Laub den Stürmen
 die Kraft der See ab.

 Der Pinsel wischt in ruhiger Bewegung über das feine Papier , verharrt einen Augenblick zwischen Blatt und Gedanken. Flammen werfen zerfranste Bilder gegen die Wände. Das Holz knistert. Norishige legt den Pinsel zur Seite, sieht zu, wie die Zeilen trocknen. An den Rändern des ersten Zeichens schimmert es blau: Er hat die Silbe ertränkt. Scheite bersten, es regent Funken. Ein Stück Glut springt über, frißt ein Loch in das Blatt, wird zur finster glühende Linie, die Zeichen um Zeichen vertilgt, grell auflodert und auslöscht, was noch überig war vom Vers. Schwarze Flocken schweben dahin, so leicht, daß der Sog des Feuers ihre Flugbahn krümmt.

 Norishige schaut zu und nickt, als nähme er ohne Widerspruch hin, daß nichts bleibt von dieser windigen Vorfrühlingsnacht, die sich in Worten niedergeschlagen hatte, um länger zu dauern, als ihr bestimmt war.

 Er greift erneut nach dem Pinsel, taucht ihn in Tusche und schreibt:
 Kein Anfang in Sicht:
 Die nachts sprießenden Blätter-
 ein Raub der Flammen.

 Die Tür knarrt, öffnet sich einen Spaltbreit. Kälte gleitet hinein. Es scheint, daß die Flamme sich wegduckt unter unwägbarem Gewicht. Norishige fröstelt. Etwas Eisiges hat ihn im Rücken gestreift, bewegt sich lautlos umher. Er meint, es rechts der Schulter zu spüren, zum Greifen nah. Dann neben dem Ohr. Vor dem Mund. Der geballte Atem eines anderen - ein Mensch ist es nicht.

 Norishige hebt seinem Arm wie unter stummen Befehl, nähert sich dem, das ihm zurückweicht, schmal wird, ehe es in die Flamme eindringt, sie zweiteilt. Seine Hand folgt, greift in den Spalt. Das Feuer schlägt um sie zusammen. Er zuckt zurückt, übergießt sie mit Wasser. Der Schmerz läßt rasch nach.

 Es ist nur eine Warnung gewesen.

 Im verschwimmenden Raum verlieren die Blicke jeglichen Halt. Das Türholz zerrint, bildet Schlieren, die sich zu einem Antlitz verhärten: Es gehört einer Frau. Er kennt es nicht - kennst es, als es durch den Abzug in die Nacht entschwindet, hat vergessen, wer aus all dem Früher sie war.

 "Die Hitze", denkt Norishige. "Über dem Feuer vibriert die Luft. Ein brennendes Dorf bringt den Himmel zum Tanzen: Welch erhebender Anblick für den siegreichen Kriegsherrn."

 Er spürt, wie das Unsichtbare abermals eindringt, sich seitlich an ihm vorbeischiebt, ohne daß er es fassen, geschweige denn aufhalten könnte: Ein Staubwirbel vor ihm, Asche, die eine Spur formt - so kleine Füße. Plötzlich packt ihn ein kalter Griff im Genick, schüttelt ihn wie einen Lappen. Ihn schwindelt. Es zwingt ihn zu Boden, preßt sein gesicht in die Tuscheschale, bis ihm Hören und Sehen vergeht.

 Als er die Augen aufschlägt, ist das Feuer erloschen. Die Tür steht weit offen, der Sturm trägt Regen hinein. Auf durchnäßtem Papier Zeichen in Schwarz, in verkrustetem Rot: Eines anderen Handschrift, nicht zu entziffern. Der Morgen graut.

(Fragment uit "Mitsukos restaurant" van Christoph Peters op muziek van Brigitte)

Geen opmerkingen:

Een reactie posten